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"Du solltest als Mediziner denken!“

Wir sprachen mit Dr. Craig Kielin Fritz über unseren neuen Studiengang Physician Assistant (B. Sc.).

Dr. Craig Kielin Fritz ist studierter und promovierter Physician Assistant und ist momentan am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach tätig. Er gewährte uns im Gespräch Einblicke in seinen Arbeitsalltag und das Berufsbild, welches AbsolventInnen erwartet.

1. Das Berufsbild des Physician Assistant (PA) ist sehr vielfältig. Welche Vorteile ergeben sich für das Gesundheitssystem bei steigenden Ausbildungszahlen und Einstellungen von Physician Assistants?

Ich freue mich, dass sich der Physician Assistant langsam auch im deutschen Gesundheitswesen etabliert. Somit widmen sich zukünftig noch mehr Personen der Patientenversorgung. PAs fungieren nicht als Arzt oder Assistenzärzte, sondern übernehmen arztunterstützende Tätigkeiten und führen ihre Arbeit aber selbständig durch. Der Mangel an Ärzten in Deutschland kann dadurch erheblich verbessert werden und somit auch die Versorgung von PatientInnen.

2. Ihr berufliches Leben war, angefangen vom Bachelor über den Master bis hin zur Promotion, stets auf das Berufsbild des PAs ausgelegt. Wie blicken Sie heute auf diese Zeit zurück?

Ich bin sehr froh, dass ich damals entschieden habe, nicht mit der Qualifikation des Bachelors aufzuhören, sondern weiterzumachen und mich wissenschaftlich weiterzuentwickeln. Da ich in den USA sowie England studiert habe, war es nicht schwierig im Bereich Medizin akzeptiert zu werden. Es ist normal sich als Physician Assistant, Physician Assosciate oder Clinical Associate im Ausland weiterzubilden und den Masterstudiengang und gegebenfalls PhD / Doctor of Medicine anzuhängen. Durch diesen intensiven Bildungsweg, die viele Arbeit und die langen Nächte in den Kliniken habe ich sehr viel erreicht und bin heute als „ärztlicher“ Kollege sehr respektiert.

3. Welche Aufgaben erwarten PA-Absolventen im Arbeitsalltag?

Stationsadministration und Versorgung, Dokumentation, Verlegungen, E-Briefe schreiben sind nur einige Aufgaben, denen ich mich tagtäglich widme. Patientenaufnahme und Voranamnese sowie körperliche Untersuchungen kommen hinzu. Die Vor- und Nachbereitung sowie die Unterstützung bei den Visiten, die Sicherstellung der ärztlichen Ansprechbarkeit bei der Stationsbetreuung sowie Angehörigenbetreuung, Ansprechpartner bei Patientenberatung und Aufklärung, OP-Assistenz, OP-Vorbereitung, OP-Nachbereitung, Assistenz bei chirurgischen Eingriffen sowie die Durchführung von Funktionsdiagnostik, Wundversorgung, Verbandswechsel sind weitere, mögliche Aufgabenfelder. Sie sehen, das Einsatzgebiet eines PAs ist vielseitig und sehr abwechslungsreich.

4. Sie arbeiten innerhalb des SRH Konzerns als PA. Welche Aufgaben hat man als PA an der SRH? Was wünschen Sie sich für die Etablierung des PAs im SRH Klinikverbund?

Das ist sicherlich unterschiedlich. Meine Chefin hat bereits in den USA gearbeitet und konnte mit US-studierten PAs bereits sehr viel Erfahrung sammeln. Es hat etwa zwei Tage gedauert, bis ich beweisen konnte, dass ich als PA nach 9 Jahren an der Uni und insgesamt bereits 15 Jahren Erfahrung in der Medizin als eine Art „Facharzt“ zu akzeptieren bin.

5. Der PA ist in Deutschland noch nicht weit verbreitet. Welche Herausforderungen und Chancen ergeben sich aus dieser Tatsache? Welche Unterschiede können Sie festmachen, wenn Sie an das Berufsbild im In- und Ausland denken?

Um die Qualität und Versorgung in Krankenhäusern zu gewährleisten, benötigen wir sehr dringend mehr Personal. Die Herausforderung als PA ist, zu zeigen, dass du nicht „Krankenpfleger“ bist sondern PA und dass du dich ausschließlich mit ärztlichen Tätigkeiten beschäftigst. Du solltest als MedizinerIn denken und eingestellt sein und nicht als PflegerIn. Dies kann in Deutschland problematisch werden, wenn du jahrelang als Krankenpfleger gearbeitet hast und jetzt ärztlich denken und reagieren sollst. Der Studiengang PA im Ausland hat nichts mit Krankenpflege zu tun. Der PA ist ärztlich.

6. Die SRH Hochschule für Gesundheit bietet in Leverkusen ab dem Wintersemester 2020 / 2021 den Bachelorstudiengang Physician Assistant an. Sie sind promovierter PA und arbeiten bei der SRH – wie blicken Sie auf die Etablierung dieses Studiengangs? Was bedeutet das Angebot des PAs in Ihren Augen für den SRH Konzern?

Die SRH Hochschule für Gesundheit hat jetzt die Möglichkeit, den Studiengang souverän zu entwickeln und sich dabei an den Bedürfnissen von Gesundheitsunternehmen und der Krankenhäusern zu orientieren. Der Studiengang hat die Aufgabe, die Qualität später in der Klinik zu gewährleisten. Dazu ist es sehr wichtig, PAs die Möglichkeit zu geben, im Anschluss einen konsekutiven Masterstudiengang zu besuchen, um sich weiterentwickeln zu können. Der „Fach-Physician-Assistant“ darf nicht fremd bleiben und muss bekannter werden.

Vielen Dank für diese Einblicke und Ihre Zeit!

Über unseren Interviewpartner:

Dr. Craig Kielin Fritz ist zweifach promovierter Mediziner mit Spezialisierung in der Gefäßchirurgie und Schmerztherapie. Zudem ist er Wund- und Notfallexperte am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach.

Unser Kontakt

Stephanie Sobola

Hochschulmanagerin

Campus Leverkusen
E-Mail: stephanie.sobola@srh.de
Telefon +49 172 207 206-8 E-Mail schreiben