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Bedeutung und Herausforderungen der Corona-App

Eine professionelle Sicht von Prof. Dr. Sylvia Sänger.

 

Bedeutung und Herausforderungen der Corona-App

Eine professionelle Sicht von Prof. Dr. Sylvia Sänger.

„Heute habe ich mein Profilbild auf Facebook mit einem Banner ausgestattet, auf dem das Symbol der Corona-Warn-App abgebildet ist gemeinsam mit dem Schriftzug #IchAppMit. Das ist ein klares Statement und eine Einladung zugleich“, sagt Prof. Dr. Sylvia Sänger, Professorin für Gesundheitswissenschaften an der SRH Hochschule für Gesundheit. Man kann die Corona-Warn-App seit dem 16. Juni 2020 im Apple Store oder Google Play Store kostenfrei download. Bisher haben sich 6,5 Millionen Menschen die App auf ihr Smartphone geholt (Stand 18.06.2020), aber nur wenn mindestens 70% der Bevölkerung diese App nutzt, kann eine Schutzwirkung für die Gesellschaft erreicht werden.

Das SARS-CoV-2 Virus ist auch für die WissenschaftlerInnen, die sich mit der Erforschung und der Planung sowie Umsetzung von notwendigen Schutzmaßnahmen für die Bevölkerung befassen neu. Der Druck ist groß, weil PolitikerInnen dringend auf Empfehlungen für ihre Entscheidungsgrundlagen warten. Entsprechend müssen Studien oft in Eile produziert werden. Das führt dazu, dass in manchen Aussagen nach weiterer intensiver Forschung wieder zurück gerudert werden muss. Bürgerinnen und Bürger haben dann oft den Eindruck eines „heute-hüh-morgen-hott“, gerade auch wenn es um Empfehlungen zum Umgang mit dem SARS-CoV-2 Virus geht. Manche mögen es aus diesem Grund auch ablehnen, die Corona-Warn-App auf ihrem Smartphone zu installieren. Dass aber Entscheidungen revidiert werden müssen ist charakteristisch für die Wissenschaft. Forschung gelangt immer wieder zu neuen Erkenntnissen. Und Entscheidungen können nur auf der Grundlage der jeweils aktuellen Erkenntnisse, des sogenannten derzeit best verfügbaren Wissens getroffen werden. Das ist nichts Neues in der Wissenschaft sondern gängige Praxis. Daher sollte auch der aktuelle Stand der Erkenntnisse die Grundlage für individuelle Entscheidungen zum Schutz vor COVID-19 sein. Und das sind nun einmal die Hygienemaßnahmen, die Abstandsregel, das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und seit neuestem auch die Nutzung der Corona-Warn-App. Sie soll helfen, Infektionsketten nachzuvollziehen, eine Arbeit, die bisher durch die Gesundheitsämter geleistet wird, die alle möglichen Kontaktketten durch Befragungen und Auswertungen von z. B. in Restaurants erfassten Gästelisten rekonstruieren müssen. Die Corona-Warn-App dient einer schnelleren Kontaktnachverfolgung und soll dazu beitragen die Infektionszahlen in Deutschland niedrig zu halten.

Kommen sich zwei Corona-Warn-App-Besitzer zu nahe, sodass eine Ansteckung möglich werden kann, dann speichern die Apps gegenseitig die zufällig generierten Identifikationsnummern des jeweils anderen Gerätes. Der Datenschutz ist nach Aussage der Entwickler gewährleistet. Wird ein Mensch positiv getestet, so ist es möglich, dass durch die App Kontaktpersonen dieses Menschen automatisch alarmiert werden.

Gesundheitsminister Jens Spahn erklärt auf der Facebookseite des Bundesministeriums für Gesundheit: „Wir möchten, dass die App von vielen Bürgerinnen und Bürgern auf allen Endgeräten genutzt werden kann. Und das jederzeit.“ „Und da liegen die Probleme. Damit die App wirksam werden kann, sind drei Voraussetzungen erforderlich: die Bereitschaft der Menschen, die Corona-Warn-App zu installieren, ein Smartphone auf dem die Anwendung auch läuft und ausreichende Tests der Bevölkerung, da sonst durch die App keine Warnungen gegeben werden können. Gerade Personen aus den Risikogruppen, wie ältere Menschen, haben noch ältere Geräte, auf denen die Anwendung bisher nicht läuft.

Hier besteht Nachbesserungsbedarf. Andere fürchten, dass sie durch die App überwacht und ausgespäht werden. Die Anzahl der Tests in Deutschland liegt nach dem Dienst Statista mit Stand vom 11. Juni 2020 bei 56.036 je Million Einwohner. Je mehr Tests durchgeführt werden umso höher ist die Wahrscheinlichkeit für eine Warnung aller Kontaktpersonen im Falle, dass eine Person positiv getestet wurde“, ergänzt Prof. Dr. Sylvia Sänger.

Zu beachten ist weiterhin, dass die Corona-Warn-App nicht die notwendigen Hygieneregeln ersetzt wie Händewaschen, Abstand halten und in die Ellenbeuge niesen oder husten sowie einen Mundschutz in öffentlichen Verkehrsmitteln und Räumen zu tragen. Nach allem, was bisher gewiss ist, trägt das gesamte Maßnahmenpaket dazu bei, dem Virus Einhalt zu gebieten. Diese Erkenntnisse können sich durch künftige Forschungen auch ändern. Aber solange wir es nicht besser wissen, müssen wir uns auf die Daten stützen und verlassen, die im Moment bekannt sind. So funktioniert Wissenschaft!

Prof. Dr. Sylvia Sänger appelliert abschließend: „Als Mensch mit einer chronischen Erkrankung gehöre ich zur Risikogruppe. Das sensibilisiert natürlich besonders, empfohlene Schutzmaßnahmen auch umzusetzen. Aber sollte nicht auch die Sorge um den Mitmenschen bei jedermann diese Sensibilisierung schaffen? Es ist eine Frage des Respekts und der Wertschätzung unseren Mitmenschen gegenüber, möglichst alle derzeit als hilfreich ermittelten Maßnahmen zu nutzen, die eine Weiterverbreitung des Virus verhindern.“

Unser Kontakt

Sylvia Sänger

Prof. Dr. Sylvia Sänger

Professorin

für Gesundheitswissenschaften,
Studiengang Medizinpädagogik, B.A. & M. A.
E-Mail: sylvia.saenger@srh.de
Campus Gera
Telefon +49 365 773407-14 E-Mail schreiben