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Foto (Andreas Vieweg)

03.09.2010

Kinder mit Entwicklungsrisiken fördern

Kinder sind unsere Zukunft, dabei erscheint ihre Entwicklung immer gefährdeter. Fast jedes dritte Kind erhält bereits im Vorschulalter eine Therapie zur Förderung der Sprache, Motorik oder Wahrnehmungsfähigkeit. Experten müssen sich fragen lassen, was dazu führt, dass die Entwicklungsrisiken für Kinder dramatisch zunehmen.

Heute und morgen (3./4.9.2010) treffen sich in Gera internationale Experten der Frühförderung, um wissenschaftliche Erkenntnisse auszutauschen und neue effektive Fördermaßnahmen zu diskutieren. Ziel ist es, betroffene Kinder und ihre Eltern zu stärken und ihnen neue Möglichkeiten der Therapie aufzuzeigen. Veranstalter des Kongresses ist das wissenschaftliche Institut für Interdisziplinäre Frühförderung an der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera. Institutsleiter Prof. Dr. Armin Sohns verweist darauf, das der Jahreskongress der europäischen Frühfördervereinigung Eurlyaid damit erstmals in Deutschland stattfindet. Etwa 30 Referenten aus zwölf Ländern und drei Kontinenten kommen bei den heutigen Vorträgen und morgigen Workshops zum Einsatz. Es werden etwa 200 nationale und internationale Gäste erwartet. Der Kongress steht unter der Schirmherrschaft von Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht.

Hauptthema des zweitägigen Kongresses ist die bessere Dokumentation und Kommunikation zwischen den Berufsgruppen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat dafür 2007 ein Klassifizierungssystem geschaffen, das in Deutschland bislang noch nicht umgesetzt wird. Deutsche Experten der Frühförderung haben daraus eine Checkliste entwickelt, die in den Frühfördereinrichtungen angewandt werden kann. "Ziel ist es, eine einheitliche Dokumentationsgrundlage zu schaffen, mit der Fachleute von ärztlichen bis zu pädagogischen Berufsgruppen mit einer fachlichen Sprache sprechen können", erhofft sich Sohns. In Gera diskutieren die internationalen Experten, wie sie das neue Instrument am besten einsetzen können.

Aber auch weitere Erfahrungen und Konzepte der Frühförderung werden durch die zahlreichen Referenten angesprochen, um Antworten auf neue Herausforderungen zu finden. "Es gibt immer mehr Kinder, die gleichzeitig verschiedene Entwicklungsrisiken aufweisen - im sprachlichen, motorischen, kognitiven und Emotionalen Bereich", sagt Prof. Dr. Annette Hartung. An der SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera leitet sie den Studiengang Interdisziplinäre Frühförderung. Moderne Frühförderung muss für die Professorin alle Berufsgruppen zusammenbringen, die mit den betroffenen Kindern und ihren Familien arbeiten - von der Erzieherin über den Sozialarbeiter, vom Logopäden bis zur Kinderärztin.

"Wir haben die Hoffnung, dass unsere fachlichen Hilfen für die Familien in Zukunft effektiver und abgestimmter angeboten werden können", sagt Prof. Hartung. Die SRH Fachhochschule für Gesundheit Gera war bundesweit die erste, die hierzu mit dem Studiengang Interdisziplinäre Frühförderung einen eigenen Ausbildungsgang angeboten hat, der sich großer Nachfrage erfreut. Über neue Wege in der Ausbildung geht es heute auch bei der internationalen Podiumsdiskussion.